Das Frühjahr kommt- Zeit zum Biegen und Anbinden

Wenn der Rebschnitt geschafft ist, folgen die nächsten beiden Arbeitsschritte:

Zunächst muss das alte Holz manuell aus dem Drahtrahmen entfernt werden. Das bedeutet für uns Handarbeit. Je nach Sorte (und deren Rankenbildung) bedeutet diese Arbeit zeitaufwendige körperliche Anstrengung. Pro Hektar benötigt man je nach Sorte ca. 30- bis 50 Stunden allein für diese Arbeit.
In einem weiteren Arbeitsschritt kann die Fruchtrute gebogen werden. Das bedeutet in unserem Betrieb ca. 45.000 Rebstöcke die ebenfalls in Handarbeit gebogen und angebunden werden müssen. Diese Arbeit nimmt ebenfalls pro Hektar ca. 35 Stunden in Anspruch. Damit wäre eine Arbeitskraft in unserem Betrieb ca. 60 Tage beschäftigt.

Das Biegen und Anbinden der Reben ist die Voraussetzung dafür, dass die neuen Triebe in den Drahtrahmen einwachsen können und eine regelmäßige Laubwand bilden. Außerdem führt das Biegen zu einem ausgeglichenem Saftfluss und dem damit verbundenen gleichmäßigeren Triebwachstum.

Beim Biegen besteht die Schwierigkeit darin, das Holz vorsichtig in die gewünschte Position zu biegen, ohne dabei die Fruchtrute abzubrechen. Ein Abbrechen hat nicht nur den Ertragsausfall des Stocks in diesem Jahr zur Folge, sondern führt auch zu übermäßigem Austrieb und Wachstum der übrigen Augen (z.B. aus dem Reservezapfen). Die wenigen Triebe weisen dann ein extremeres Dickenwachstum auf was zu ungenügender Holzausreife im Herbst führen kann. Unausgereiftes Schnittholz bedeutet weitere Nachteile für das darauffolgende Jahr (Austriebsschäden, schlechter Ertrag, geringere Qualität).

Am leichtesten lassen sich die Reben bei feucht kühlem Wetter biegen. Wie der Opa im weilerer Dialekt schon sagte:

„Beim Biehje kanns enem ruhig e bissche auf de Buggel rähne, dann biehts sichs besser!“