Chronik des Hauses

Aus der Chronik des Hauses

 

Der Badische Hof ist das ehemalige Adelsgehöft der Markgrafen von Baden und wurde erstmals im
11. Jahrhundert als Bauwerk erwähnt.
Funde aus der Römerzeit deuten auf eine noch frühere Grundsteinlegung hin.

Nach der sogenannten „Franzosenzeit“ ab 1815 kam unser Gutshof in private Hand und wurde von einer Familie Kimnach bewirtschaftet. Damals wurde gemischte Landwirtschaft, Stallviehhaltung, Ackerbau, Obst- und Weinbau betrieben. Der Ackerbau und die Viehzucht dienten im wesentlichen zur Selbstversorgung der Gutsbesitzer. Dagegen wurde der Weinbau allein zum Zweck des Verkaufs und Weinversand betrieben.

Postkarte Weiler bei Monzingen
Postkarte, 1928, Weiler bei Monzingen
“Gasthaus zum Badischen Hof”

 

Weinlese 1937
Weinlese 1937

 

Der „Ackerer und Weinbergsbesitzer“ Jakob-Heinrich Kimnach lebte seinerzeit mit seiner Familie nach Gutsherrenart recht gut, ließ seine Bediensteten arbeiten und beschränkte seine eigene Tätigkeit auf die Überwachung derselben während seine Gattin mit ihren Töchtern  auf der Terrasse in der Sonne saßen und sich die Zeit mit Stickereien vertrieben.

Es werden sich in unserem Dorf heute noch viele Anekdoten aus dieser Zeit erzählt. So soll es sich an einem heißen Sommertag zugetragen haben, daß die „Herrschaft“ wieder einmal auf der Terrasse im Schatten saß, die Damen stickten und der alte Kimnach beobachtete in der Ferne seine „Wingertsknechte“ beim Unkrauthacken im Steilhang, dem „Nobel“, einer vorzüglichen aber beschwerlichen Weinbergslage.

Weinlese 1939
Weinlese 1939

 

Peter Hahn 1947
Peter Hahn, 1947

 

Den Arbeitern war es ebenfalls zu heiß und sie legten sich auch hinter die Weinstöcke in den Schatten zum Ruhen. Dabei vergaßen sie jedoch nicht, den Jüngsten unter ihnen zu beauftragen, ihre blauen Arbeitskittel von Zeit zu Zeit  ein paar Pfähle weiter nach oben zu hängen, damit der Chef aus der Ferne beobachten konnte, wie die Arbeit vermeintlich „voranging“!
So ist es dann gekommen, wie zu erwarten war und der Gutsbesitzer kam bald in Zahlungsschwierigkeiten, mußte den Hof verkaufen und 1848 nach Amerika auswandern. Dort versuchte er sein Glück als Goldsucher. Noch heute kommen von Zeit zu Zeit Nachfahren von ihm in unser Dorf um ihre Wurzeln im Hunsrück zu suchen.

Danach kam der Hof in den Besitz der Kirchengemeinde und diente bis 1878 als Pfarrsitz. Damals arbeitete der Pfarrer wochentags als Landwirt und Winzer und verkündete Sonntags das Wort Gottes. Das Anwesen war allerdings auch für den redlichen Gottesmann, namens „Pfarrer Grill“ eine Nummer zu groß und seine geordnete Bewirtschaftung nicht mehr möglich. So zog der Pfarrer in ein neues Heim nahe bei der Kirche und Badische Hof wurde geteilt und getrennt versteigert. Aus dieser Zeit der Pfarrherrschaft hat sich  noch der überlieferte Hausname erhalten, denn im Dorf heißt es bis heute noch: „Mir geh´n an Grille!“

Weinkeller 1949
Weinkeller 1949

 

Postkarte 1951
Postkarte 1951

 

Das heutige Stammhaus des Badischen Hofs wurde anläßlich der Versteigerung im Jahre 1878 von einem Vorfahren unserer Familie namens Phillip Heddesheimer erworben. Diese war seinerzeit von seinen Eltern wegen seiner Heirat mit einer Tochter aus nicht standesgemäßem Haus vollständig enterbt worden, also mittellos. Da er ein kluger und fleißiger Mann war, beschaffte er sich die finanziellen Mittel für den Erwerb des Gutshofes durch einen 20-jährigen Weinliefervertrag an ein Obersteiner Hotel.

Es werden sich heute noch Einzelheiten über die damalige Versteigerung des Gehöfts erzählt. So soll er einen anerkannt wohlhabenden Bekannten beauftragt haben, für Ihn zu bieten während er an der Saaltür stehend und Pfeife schmauchend den Ablauf beobachtete. Als Gebotsschritte waren damals 10 bis 50 Goldtaler üblich.  Phillip Heddesheimer hat allerdings seinen Bieter  um jeweils 100 Taler erhöhen lassen solange er seinen Pfeifenrauch senkrecht in die Luft geblasen hat. Darauf haben seine Mitbewerber schnell aufgegeben und nicht mehr mit dem wohlhabenden Herren mitgeboten weil sie sich gegen diesen keine ernsthaften Chancen ausrechneten.

Weinlese 1959
Weinlese 1959

 

Etikett 1959 Etikett 1959
Etikett 1959

 

Nachdem der Zuschlag erteilt worden war, rief der Bestbietende in den Raum: „Phillip komm her un unnerschreib!“ So hat der Phillip Heddesheimer, obwohl er fast völlig mittellos war das von vielen begehrte Gehöft recht preiswert bekommen und zu einem ansehnlichem Weinbau- und Landwirtschaftsbetrieb aufgebaut. Bereits 1897 hat er eine „Schankkonzession“ für seine eigenen Weine erworben.

In der Blütezeit seines Schaffens bis 1912 hat er schon einen regen Weinhandel bis nach Berlin und Königsberg in Ostpreußen betrieben. Vor dem ersten Weltkrieg wurde an der oberen Nahe, dem Sobernheimer Becken ca. zwei Drittel des Weins als Rotwein ausgebaut. Die Leitsorte war der Früh- und Spätburgunder!

Philip Heddesheimer ist 1913 verstorben und hat vier Töchter hinterlassen. Eine davon, Karoline, hat einen Peter Hahn aus der Nachbarschaft geheiratet, welcher dann den Hof übernommen hat und auch den Weinbau zu neuer Blüte gebracht hat.

Die Weißweine rückten nun in den Vordergrund, insbesondere der Riesling. Aus seiner Militärzeit – er diente bei einem motorisierten Garderegiment – hatte er einträgliche Verbindungen nach Berlin und Hamburg, wodurch er zahlreiche Weinkunden gewinnen konnte, deren Nachfahren z.T. heute noch unserem Haus treu sind.

Hofansicht 1965
Hofansicht 1965

 

Hofansicht 1968
Hofansicht 1968

 

Im Jahre 1925 wurden die ersten zwei „Fremdenzimmer“ mit Nachttopf unterm Bett und „Plumpsklo“ hinterm Haus zur Beherbergung von weit angereisten Weinkunden eingerichtet.

Ende der 70er Jahre wurde die Viehhaltung und Anfang der 90er Jahre der Ackerbau aufgegeben.

Mittlerweile ist der Rotweinanbau wieder an die Nahe zurückgekommen nachdem er in den 20er Jahren ganz verschwunden war.

Bereits 1981 haben wir wieder mit dem Rotweinanbau begonnen – zunächst ganz bescheiden mit 0,12 ha Domina, von da an wurde die Rotweinrebfläche ständig erweitert und stetig Erfahrung gesammelt.

Alte Aufzeichnungen von Phillip Heddesheimer und Peter Hahn haben dazu beigetragen, alte Traditionen mit moderner Kellertechnik in Einklang zu bringen und das Beste daraus zu machen.

Heute widmen wir uns ganz dem Weinbau und der Gästebetreuung und zählen viele Stammgäste und Weinfreunde zu unseren treuen Freunden und Kunden!

Weinhof 1971
Weinhof 1971

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